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Warum Vermögensverwaltung Sie 30 % Ihrer Rendite kostet (mit Rechnung)

Mit echtem Beispiel-Depot, echten Gebührensätzen, echtem Endvermögen.

Verfasst von Michael C. JakobMIT · ETH Zürich · McKinsey · UBS →

Wenn ein Vermögensverwalter 1,5 % p. a. nimmt, klingt das nach wenig. In Wahrheit kostet es Sie über 20 Jahre rund 30 % Ihrer Endrendite – nachgerechnet, mit konkreten Zahlen. Diese Seite zeigt die Mathematik, die kein Verwalter freiwillig auf sein Pitch-Deck setzt.

Die Kernrechnung in einem Satz

Eine 1,5 %-jährliche Verwaltungs-Gebühr auf das Gesamtdepot ist nicht 1,5 % – sie ist 1,5 % geteilt durch die Bruttorendite. Bei 6 % Bruttorendite sind 1,5 % Gebühr also 25 % der Rendite. Über 20 Jahre kompoundiert das zu einem Endvermögens-Verlust von rund 30 %.

Mathematische Intuition: Endvermögen mit r % p. a. über n Jahre ist V₀ × (1+r)n. Wenn r durch eine Gebühr g sinkt, wird daraus V₀ × (1+r−g)n. Der Unterschied zu V₀ × (1+r)n ist nicht n × g, sondern wächst überproportional – das ist der Compound-Effekt der Gebühren.

Konkretes Beispiel: 200.000 € über 20 Jahre

Nehmen wir einen 50-jährigen Anleger mit 200.000 € Vermögen, Ziel: Ruhestand mit 70. Die Bruttorendite liegt langfristig bei 7 % p. a. (konservative MSCI-World-Annahme). Drei Szenarien:

SzenarioNetto-Rendite p. a.Endvermögen nach 20 J.Gebühren-Verlust
ETF-Sparplan (TER 0,2 %)6,8 %744.000 €
Vermögensverwaltung 1,5 % all-in5,5 %584.000 €−160.000 €
Vermögensverwaltung 2,0 % all-in5,0 %530.000 €−214.000 €

Kernzahl: 1,5 % Gebühr kostet diesen Anleger 160.000 €. Das ist nicht der Gewinn der Bank – es ist Ihr entgangener Gewinn. Bei 2,0 % sind es 214.000 € – und das, ohne dass die Vermögensverwaltung mathematisch besser performt haben müsste als der ETF.

Was die Bank Ihnen nicht freiwillig sagt: TER

Die offizielle „Verwaltungsgebühr" ist nur ein Teil der Geschichte. Drei zusätzliche Kostenebenen, die selten klar kommuniziert werden:

  • TER der zugrunde liegenden Fonds: Vermögensverwalter packen Ihr Geld typischerweise in 5–15 aktive Fonds. Jeder Fonds hat eine eigene TER (Total Expense Ratio) – meist 0,8 % bis 1,8 % p. a. Diese Kosten sind zusätzlich zur Verwaltungs-Gebühr und erscheinen oft nicht im Beratungs-Pitch.
  • Transaction Costs Inside Fund: Innerhalb der Fonds fallen Handelskosten an (Spreads, Ordergebühren), die nicht in der TER stehen. Schätzwert: 0,1–0,5 % p. a.
  • Performance Fee: Manche Fonds haben eine Erfolgsbeteiligung (typisch 10–20 % auf Outperformance über einer Hurdle Rate). Bei guten Jahren zahlt das der Anleger on top.

Realistische Gesamt-Kostenquote einer typischen deutsch-schweizer Vermögensverwaltung: 1,8 % bis 2,5 % p. a. – nicht die im Pitch genannten 1,0–1,5 %.

UBS, Commerzbank, Deutsche Bank im Realitäts-Check

Folgende Werte stammen aus aktuellen Pitch-Materialien und Mandats-Verträgen, anonymisiert. Sie sind branchen-typisch. Konkrete Mandatswerte schwanken je nach Vermögensklasse und Verhandlungsposition.

AnbieterVerwaltungØ TER FondsRealistisch all-in
UBS Wealth Management1,1–1,5 %0,9 %2,0–2,4 %
Commerzbank Premium0,8–1,3 %1,1 %1,9–2,4 %
Deutsche Bank Privatbank1,0–1,5 %0,9 %1,9–2,4 %
Grüner Fisher Investments1,3 %0,4 %1,7 %
Robo-Advisor (Quirion etc.)0,5–1,0 %0,2 %0,7–1,2 %
ETF-Selbstverwaltung0 %0,2 %0,2 %

Die Spalte „Realistisch all-in" ist die Zahl, die Sie für jede Vergleichsrechnung verwenden müssen – nicht die Headline-Verwaltungs-Gebühr.

Was aktive Fonds wirklich liefern

Die SPIVA Scorecard von S&P Dow Jones Indices misst seit Jahren, wie viele aktive Fonds ihren Vergleichsindex schlagen. Der ungeschönte Befund:

  • Über 1 Jahr: Etwa 60 % der aktiven Fonds schlagen ihren Index nicht.
  • Über 5 Jahre: Etwa 75 % nicht.
  • Über 10 Jahre: Etwa 85 % nicht.
  • Über 20 Jahre: Über 90 % nicht.

Anders gesagt: Je länger Sie schauen, desto wahrscheinlicher ist, dass Ihr aktiver Fonds nach Gebühren schlechter abschneidet als ein einfacher ETF auf den gleichen Index. Diese Erkenntnis ist seit Jahrzehnten empirisch belegt – sie wird nur in Bank-Beratungsgesprächen ungern erwähnt.

Drei rationale Alternativen

Wer aus einer Vermögensverwaltung aussteigt oder erst gar nicht einsteigt, hat drei rationale Optionen:

Option 1: ETF-Sparplan (Standard für 80 %)

Ein simpler Sparplan auf den MSCI World oder FTSE All-World mit TER < 0,2 % schlägt langfristig die Mehrheit der aktiv gemanagten Vermögensverwaltungen. Aufwand: 5 Minuten pro Quartal.

  • Wer: Anleger, die wenig Zeit oder Interesse an Einzelaktien haben.
  • Realistische Rendite: 6–8 % p. a. langfristig.
  • Schwäche: Sie bekommen die globale Markt-Rendite – nicht mehr, nicht weniger.

Option 2: Eigenständiges Qualitätsdepot (Investors-Programm)

Statt 1,5 % p. a. ad infinitum zahlen Sie einmal eine Programmgebühr und lernen, ein Depot eigenständig aufzubauen. Aufwand: 5–10 h pro Monat. Konkrete Preisrechnung gegen 20 J. Vermögensverwaltung.

  • Wer: Anleger ab 50.000 € Vermögen, die verstehen wollen, was sie kaufen.
  • Realistische Rendite: 8–12 % p. a. bei disziplinierter Umsetzung; unser Musterdepot hat 26,8 % p. a. erzielt (nicht garantiert).
  • Schwäche: Anfangs zeitintensiver als ETFs.

Option 3: Robo-Advisor (Hybrid)

Robo-Advisors wie Quirion, Scalable Capital oder Whitebox bieten algorithmisches Portfolio-Management zu deutlich niedrigeren Gebühren (0,7–1,2 % all-in). Sie bekommen weniger persönliche Beratung als bei UBS, aber meist besseren Netto-Ertrag.

  • Wer: Anleger, die die ETF-Selbstverwaltung scheuen, aber nicht UBS-Gebühren zahlen wollen.
  • Realistische Rendite: 5–7 % p. a. (Markt minus Gebühren).

Die ehrliche Konsequenz

Eine Vermögensverwaltung ist nicht „böse" – sie ist nur in den meisten Fällen überteuert für das, was sie liefert. Wenn Sie aktuell in einem Vermögensverwaltungs-Mandat sind, machen Sie diesen Test:

  1. Lassen Sie sich die letzten 5 Performance-Reports zeigen.
  2. Vergleichen Sie die Brutto-Performance (vor Gebühren) mit dem MSCI World in derselben Periode.
  3. Subtrahieren Sie alle Gebühren-Bestandteile (Verwaltung + TER + ggf. Performance Fee).
  4. Wenn Sie nach Gebühren langfristig schlechter als der MSCI World abgeschnitten haben: Kündigen Sie das Mandat und investieren Sie selbst in einen ETF oder ein eigenständiges Qualitätsdepot.

Das ist die einfache Mathematik. Sie lässt keinen Raum für Marketing-Magie und keinen für Sales-Argumente. Bei jeder Frage zu einem konkreten Mandats-Vergleich – schreiben Sie mir gerne: michael@alleaktien.com.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema.

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