Wave 2 15 min Lesezeit

Aktien-Coaching: 9 Warnsignale für unseriöse Anbieter

Was nur ein Insider weiß – und worauf Sie als Anleger zwingend achten müssen.

Verfasst von Michael C. JakobMIT · ETH Zürich · McKinsey · UBS →

Wer in den letzten Jahren Geld in ein Aktien-Coaching gesteckt hat, das sich später als Enttäuschung herausgestellt hat, hat in den meisten Fällen vor der Buchung mindestens drei dieser neun Warnsignale gesehen – und sie übersehen. Das ist die Liste, die Sie sich vorher anschauen sollten.

Warum ich diesen Artikel als Insider schreibe

Ich bin seit 2017 in dieser Branche aktiv. Ich kenne die Verkaufstaktiken aus erster Hand – wir haben einige davon selbst angewendet (siehe ehrliche Aufarbeitung im Erfahrungsbericht) und uns davon gelöst. Der einzige Weg, die Branche zu verbessern, ist Aufklärung. Hier sind die neun Muster, auf die Sie achten sollten.

1. Künstliche Verknappung in Webinaren

„Nur noch 3 Plätze für dieses Jahr" – obwohl der Anbieter digital arbeitet und keine physischen Plätze hat. „Frühbucher-Rabatt nur bis Sonntag" – obwohl der Rabatt seit drei Monaten auf der Seite steht. Das ist ein standardisierter Mechanismus aus dem Direkt-Marketing (Cialdini: Verknappung), den seriöse Bildungsanbieter nicht nötig haben.

Test: Buchen Sie das Webinar drei Wochen später noch einmal an – wenn die „letzten 3 Plätze" auch dann noch beworben werden, ist die Verknappung künstlich.

2. Erfolgsversprechen ohne dokumentierten Track-Record

Aussagen wie „Meine Schüler erzielen durchschnittlich 30 % p. a." ohne dass es ein verifizierbares Musterdepot gibt, sind rechtlich grenzwertig und faktisch unhaltbar. Privat-Anleger können solche Zahlen nicht prüfen – und genau darauf zielt das Marketing ab.

Seriöse Anbieter zeigen ihr eigenes Depot mit Datum und Preis jeder Position (so wie unseres) – inklusive Verlust-Trades, inklusive Drawdown-Phasen.

3. Trading-Strategien als Investing verkauft

Eines der häufigsten und gefährlichsten Muster: Daytrading, Optionen, CFDs werden in Marketing-Materialien als „intelligente Geldanlage" oder „passives Investing" etikettiert. Das ist methodisch falsch. Trading ist ein aktiver Beruf, kein passives Investment. Warum 95 % der Trader langfristig Geld verlieren.

4. „Geheime Strategie"-Marketing

Es gibt keine geheimen Aktien-Strategien. Jede funktionierende Methodik basiert auf etablierten Prinzipien (Buffett, Munger, Damodaran, Greenblatt, Marks). Wer mit dem Versprechen „exklusiver, nur uns bekannter" Strategien wirbt, verkauft die Verpackung – nicht den Inhalt.

Seriöse Anbieter benennen ihre Quellen, zitieren Forschung und sind transparent über die theoretischen Grundlagen ihrer Methode.

5. Kein offen einsehbares Depot

Ein Aktien-Coach ohne dokumentiertes eigenes Depot ist methodisch nicht überprüfbar. „Ich investiere selbst seit 15 Jahren erfolgreich" ist eine schöne Aussage, aber wertlos ohne Performance-Daten und Transaktionslog.

Saubere Praxis: Vor jeder Buchung das Musterdepot des Anbieters einsehen. Achten Sie auf: Hold-Periode (sollte 3–7+ Jahre median sein), Verlust-Trades (müssen vorhanden sein – wer keine zeigt, schönt), Anzahl der Trades (extrem hohe Frequenz = Trading, kein Investing).

6. Affiliate- und MLM-Strukturen

Wenn ein Anbieter Affiliate-Provisionen für Empfehlungen ausschüttet, hat jeder Empfehlende ein finanzielles Interesse an Ihrer Buchung – unabhängig davon, ob das Programm zu Ihrer Situation passt. Das ist nicht per se illegal, aber der Empfehlung-Bias muss bekannt sein.

Multi-Level-Strukturen mit mehreren Provisions-Stufen („sub-affiliates") sind ein noch klareres Warnsignal – sie erinnern an Strukturvertriebe der 1990er Jahre und führen regelmäßig zu Fehlanreizen im Verkaufsprozess.

7. Kein Disclaimer zu Vergangenheits-Performance

Jede Werbung mit konkreten Performance-Zahlen sollte den Hinweis enthalten: „Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Performance." Fehlt dieser Hinweis, ist es rechtlich problematisch und ein Hinweis auf nachlässige (oder bewusst irreführende) Compliance.

Seit 2024 prüfen wir bei AlleAktien jeden Werbe-Asset durch eine externe Kanzlei – das ist Aufwand, aber ohne diese Prüfung gehört kein Anbieter in den Markt.

8. Closer mit reinem Provisionsmodell

Wenn das Verkaufsgespräch von einem externen Closer geführt wird, der nur dann Geld verdient, wenn Sie unterschreiben, gibt es einen strukturellen Interessenkonflikt. Auch wenn der Closer freundlich und kompetent wirkt – sein Anreiz ist Ihre Unterschrift, nicht Ihre richtige Entscheidung.

Wir haben das selbst gemacht – und wieder eingestellt: 2022/2023 hatten wir ein externes Closer-Team. Die Beschwerden, die wir aus dieser Phase auf Trustpilot bekommen haben, sind berechtigt. Seit Q2 2023 führen ausschließlich festangestellte Senior-Analysten die Strategiegespräche – ohne Closing-Bonus.

9. Beratungs-Anschein ohne BaFin-Hinweis

Wenn ein Anbieter individuelle Anlageempfehlungen gibt („Kaufen Sie heute Aktie X mit 30 % Ihres Vermögens"), wird das rechtlich zur Anlageberatung – die ist nach §32 KWG erlaubnispflichtig. Wer das ohne BaFin-Erlaubnis tut, handelt ordnungswidrig.

Seriöse Bildungs-Anbieter (auch wir) machen klar: Wir bieten Bildung, keine individuelle Beratung. Wir zeigen unsere Methodik, unser Depot, unsere Entscheidungen – die finale Anlageentscheidung treffen Sie selbst und in eigener Verantwortung.

Checkliste vor jeder Buchung

Drucken Sie diese Liste aus oder speichern Sie sie:

  1. Musterdepot einsehbar? Mit Daten, Preisen, Verlust-Trades?
  2. Klare Trennung Trading/Investing? Nicht beides als „Investing" verkauft?
  3. Disclaimer zu Vergangenheits-Performance? Auf jeder Werbung, jedem Pitch?
  4. Disqualifikation im Verkaufsgespräch? Werden Personen aktiv abgewiesen, für die das Programm nicht passt?
  5. Festangestellte Berater? Oder externe Closer mit Provision?
  6. Transparenter Preis? Keine versteckten Upsells im Programm-Verlauf?
  7. AGB & Widerrufsrecht klar? Möglichst durch Anwalt prüfen lassen.
  8. Gründer-Werdegang nachvollziehbar? LinkedIn, Pressequellen, Referenzen?
  9. Keine künstliche Verknappung? Drei Wochen später noch dasselbe Angebot?
  10. Realistische Renditeerwartung? 8–12 % p. a. ist realistisch; alles über 20 % p. a. als „typisch" ist ein Marketing-Konstrukt.

Wenn ein Anbieter mehr als zwei Punkte nicht erfüllt: weiterziehen. Wenn Sie unsicher sind, schreiben Sie mir (auch zu fremden Anbietern): michael@alleaktien.com. Ich kommentiere keine Wettbewerber öffentlich, aber im Privatgespräch geben wir Hinweise.

Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Thema.

Bereit für ein Strategiegespräch?

Wenn Sie ernsthaft langfristig Vermögen aufbauen möchten und prüfen wollen, ob AlleAktien Investors zu Ihrer Situation passt: Buchen Sie ein 60-minütiges Strategiegespräch. Ehrlich. Ohne Verkaufsdruck. Mit klarer Empfehlung.

Weiterlesen