Warum wir 2018 gekauft haben
Im Sommer 2018 lag das Forward-KGV von Amazon bei rund 80×. Für viele Investoren war das das Ende der Diskussion – „zu teuer“. Wir haben anders hingeschaut: Der Konzern bestand 2018 aus drei deutlich unterscheidbaren Geschäften, und nur eines davon war im KGV richtig bewertet.
Das E-Commerce-Geschäft war damals weitgehend break-even. Es war wie ein selbsttragender Wachstums-Container, der den Rest des Konzerns nicht belastete. AWS war bereits hochprofitabel – mit über 25 % Operating Margin und 40 % Wachstum. Die Werbung (Amazon Ads) war zu diesem Zeitpunkt eine klein wirkende Sparte mit unter 5 Mrd. USD Umsatz, aber strukturell mit Bruttomargen über 70 %.
Unsere These: Wer Amazon mit dem KGV des Gesamtkonzerns bewertet, betrachtet AWS und Werbung mit dem Multiple eines Online-Händlers. Das ist die klassische Sum-of-the-Parts-Fehlbewertung. Eine Bewertung der Sparten einzeln ergab einen rund 30 % höheren Equity-Wert als der damalige Aktienkurs – plus ein optionaler Wert auf das Werbegeschäft, das wir konservativ mit Null angesetzt haben.
Wettbewerbsvorteile (Moat)
Amazon hat strukturell drei sich gegenseitig verstärkende Moats: Skaleneffekte in der Logistik (über 200 Distributionszentren weltweit, eigene Last-Mile-Flotte), Netzwerk-Effekte im Marktplatz (mehr Käufer ziehen mehr Verkäufer an, mehr Verkäufer ziehen mehr Käufer an) und Switching Costs in AWS (Datenmigration zwischen Cloud-Anbietern ist aufwendig und riskant).
Diese drei Moats sind nicht beliebig – sie wachsen mit dem Geschäft selbst. Je größer Amazon wird, desto stärker werden die Wettbewerbsbarrieren. Das ist der Grund, warum wir Amazon trotz hoher Bewertung halten: ein flacherer Wettbewerbs-Wettbewerb in der Zukunft, nicht ein steilerer.
Performance-Treiber 2018–heute
Der wichtigste Performance-Treiber war nicht das E-Commerce-Volumen, sondern die Margin-Expansion bei AWS und der explosionsartige Aufstieg der Werbe-Sparte. AWS-Operating-Margin liegt heute über 30 %, die Werbung wächst mit über 25 % p. a. und verdient strukturell 70 %+ Bruttomarge.
Die Aktie hat seit unserem Erstkauf 2018 etwa +412 % geliefert. Die Bewertung ist heute moderater (Forward-KGV ~30×) als 2018 – das Geschäft ist deutlich erwachsener und planbarer geworden.
Risiken, die wir aktiv beobachten
Drei Risiken, die wir laufend prüfen: (1) Antitrust-Druck in den USA und EU – die Wahrscheinlichkeit eines aufgezwungenen Spin-offs (z. B. AWS) ist nicht null, würde aber den Sum-of-the-Parts-Wert wahrscheinlich heben statt senken. (2) AWS-Kommodifizierung durch Microsoft Azure und Google Cloud, die schneller wachsen – das könnte AWS-Margen langfristig drücken. (3) Margen-Druck im E-Commerce durch Amazons eigene Last-Mile-Investitionen, die zyklisch wieder ansteigen.
Warum wir nicht verkaufen
Eine 412 %-Aktie zu verkaufen ist psychologisch der einfache Reflex – es ist die schwerere Disziplin, sie zu halten, wenn die These weiter intakt ist. Amazon erfüllt 11 von 12 unserer Kennzahlen-Schwellenwerte (siehe Methodik). Solange das so bleibt, halten wir.
Wenn wir verkaufen würden: bei einem strukturellen Kollaps des AWS-Vorsprungs (Marktanteil unter 25 %), oder bei einer Forced-Restructuring durch Antitrust ohne Sum-of-the-Parts-Vorteil. Beides sehen wir aktuell nicht.
Häufige Fragen zu Amazon
Antworten zu den häufigsten Fragen rund um diese Position.
Disclaimer. Diese Case-Study beschreibt eine Position im AlleAktien-Investors-Musterdepot. Sie ist Bildung, keine individuelle Anlageempfehlung. Die Aktie Amazon (AMZN) kann zu jedem Zeitpunkt erheblich an Wert verlieren. Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Performance.
Methodik im Detail anwenden
Diese Analyse folgt unserer 12-Kennzahlen-Methodik. Wenn Sie diese Methodik selbst auf Ihre Aktien anwenden möchten – inklusive Live-Mentoring – ist AlleAktien Investors die richtige nächste Stufe.
Weitere Case-Studies
Microsoft
Microsoft seit 2015 im Depot: Wie Satya Nadella den Konzern transformiert hat, warum Azure die wahre Cash-Maschine ist – und warum wir trotz Bewertung halten.
LesenASML
ASML im Depot: Warum EUV-Lithographie ein echtes Monopol ist, wie der Margenhebel funktioniert – und welche Risiken (China, Zyklik) wir aktiv beobachten.
LesenBerkshire Hathaway
Berkshire Hathaway als Cash-Reservoir und Bewertungsanker im Depot: Float, Aktien-Portfolio, Operating Earnings – und was nach Buffett kommt.
Lesen